Wir Reiseweltmeister

3teilige Dokumentationsreihe à 45 Minuten
Autoren: Jobst Thomas, Tom Ockers, Martin Groß

Individualtourismus oder Pauschalurlaub, Camping oder Ballermann – Reisen ist seit Jahrzehnten der Deutschen liebstes Hobby. Auf der Zeitreise durch sechs Jahrzehnte berichten Zeitzeugen über ihre schönsten Erinnerungen, ihre neuen Erfahrungen und auch über manche Pannen. Ihre Erzählungen zeigen vor allem eines: Wie und wo die Deutschen Urlaub machten, ist ein Spiegelbild der deutschen Zeitgeschichte von den 1940er Jahren bis heute.

Von Balkonien bis Bella Italia

Buch und Regie: Jobst Thomas

Nach 1945 liegen Capri, die Adria oder Mallorca für die Deutschen noch so weit entfernt wie der Mond. Die Not des Alltags überdeckt alle Gedanken an Urlaub, lediglich die Kinder nehmen sich in den Sommerferien kleine verbotene Freiheiten. Besatzer oder Flüchtlinge halten die wenigen unzerstörten Hotels okkupiert. Wer Lust auf Natur hat, wandert und übernachtet auf Heuböden. Erst nach der Währungsreform haben mehr Menschen genug Geld für eine Reise. „Von Balkonien bis Bella Italia“ rekonstruiert den Zauber des ersten Urlaubs nach dem Krieg wieder, als man sich noch monatelang vorher freute, um dann mit dem geringsten Komfort zufrieden zu sein.

Vom Ostseestrand bis Indien

Buch und Regie: Tom Ockers

Reisen in Deutschland führt Anfang der 60er Jahre in eine Sackgasse. Das ist wörtlich zu nehmen, denn der Mauerbau begrenzt die Reiselust der Ostdeutschen unumkehrbar. Der Weg in den Westen ist versperrt. Aber auch die zahlreichen Besucher aus der anderen Richtung müssen sich neue Orte der Erholung suchen. Die legendären Ostseestrände und Besuche bei Verwandten sind beendet. Mit dem Mauerbau verändert sich auch das Gefühl fürs Reisen in beiden deutschen Staaten. In der DDR sind die Möglichkeiten geringer, schlichtweg enger. Im Westen dagegen geht der Blick hinaus in die Ferne. 1963 werden erstmals günstige Flugreisen angeboten, Mallorca wird zum Ziel Hunderter Billig-Charterflieger. Viele Westdeutsche wollen andere Wege gehen. Manche fahren in den sechziger Jahren noch ganz brav mit ihren Eltern zum Gardasee. Doch kaum sind sie erwachsen, wollen sie  weiter weg – etwa auf den Hippie-Trail nach Südostasien. Das Abenteuer lockt, ferne Länder werden ganz nah, der Tourismus erobert die letzten Paradiese der Welt.

Vom Balaton zum Ballermann

Buch und Regie: Jobst Thomas und Martin Groß

In den 80ern sind die Deutschen in Ost und West ihrem Reiseverhalten zerrissen. Während sich der Massentourismus für die Westdeutschen immer weiterentwickelt hat, es Angebote für fast alles gibt, wächst in Ostdeutschland das Gefühl, eingesperrt zu sein. Dazu kommt, dass die östlichen Urlaubsgebiete von der Tatra bis zum Balaton immer teurer werden. Die klassischen Urlaubsgebiete des Westens geraten in den achtziger Jahren dagegen in die Krise. Rimini und Mallorca sind out, dagegen boomen Fernziele wie die Dominikanische Republik, und Vural Öger macht die Türkei zum Billig-Reiseland. Nur noch Kegel-Clubs wie der Essener Verein „119“ halten El Arenal die Treue, den englischen Liegenräubern zum Trotz. Mallorca erlebt in den neunziger Jahren noch einmal einen einzigartigen und zwiespältigen Boom – als Ballermann-Insel. Nach der errungenen Reisefreiheit finden sich auch die Urlauber aus Ost und West wieder, die sich vor 1989 am Balaton getroffen hatten.

Erstausstrahlung: ARD, Juni 2011, 21.00 Uhr

Rechteerwerb: SWR

Kontakt: info@ecomediaTV.de