Fischer, Schily: Mein 11. September – Wie der Anschlag die deutsche Regierung traf

Die Dokumentation beschreibt erstmalig die Zeit des 11. Septembers und die Entscheidungen zu den Kriegen in Afghanistan und Irak – aus der sehr persönlichen Sicht deutscher Regierungsmitglieder. In bislang unbekannten Details schildern die Autoren, was am Tag des Angriffs und den Monaten danach hinter den Kulissen der Berliner Regierung passierte.

Schon kurz nach den Anschlägen gruppiert sich ein Krisen-Kabinett um Kanzler Schröder – es sind seine engsten Mitarbeiter. Sie haben Wochen und Monate höchster Anspannung und schlafloser Nächte vor sich. Otto Schily und Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier fürchten Anschläge im eigenen Land. Und müssen sich Vorwürfe der Amerikaner gefallen lassen, die Terroristen hätten schließlich in Hamburg gewohnt. Steinmeier: „Wir bekamen Fragen, unangenehme Fragen“. Joschka Fischer fliegt rastlos zwischen Berlin und den USA hin und her, auch um die Rache-Pläne der Bush-Regierung in Erfahrung zu bringen. Aber es sind nur ungenaue, wenn auch bedrohliche Hinweise, die er mit nach Hause nimmt. Er signalisiert den Amerikanern, dass sich Deutschland an einem Afghanistan-Krieg beteiligen wird. Doch dann dämmert ihm, dass die Regierung von US-Präsident Bush mehr will. „Faktisch würde es einen Weltkrieg gegen den Terror geben“.

Fischer muss sich permanent mit Kanzler Schröder abstimmen. Doch die Kommunikation ist schwierig: Mal wird das Auswärtige Amt nach einem Bombenalarm geräumt; mal klingelt Kanzler Schröder seinen Außenminister in den USA aus dem Schlaf. Je näher der Angriff auf den Irak rückt, desto frostiger wird das Verhältnis zwischen den Regierungen in Berlin und Washington. Fischer über Vize-Präsident Richard Cheney: „Uns beiden war klar, wir werden nicht Freunde in diesem Leben.“ Bei einem Frühstück auf der Terrasse des Kanzleramts beschließen Schröder und Fischer schließlich: Deutschland wird sich weigern, den Amerikanern beim Angriff auf den Irak zu folgen. Eine Konfrontation mit dem wichtigsten Verbündeten. Joschka Fischer und sein UNO-Botschafter Gunter Pleuger sehen machtlos mit an, wie die Amerikaner Stimmung gegen den Irak machen. Und sie wissen: Die US-Regierung biegt sich die Wahrheit zurecht, ihre Wahrheit! Einige der Unterlagen, die US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat der Weltöffentlichkeit präsentiert, sind falsch – und stammen ausgerechnet vom deutschen Geheimdienst. Gunter Pleuger: „Eine gespenstische Sitzung“. Hinter den Kulissen läuft ein abenteuerliches Spiel um Vertrauen und Verrat, um Krieg und Frieden.

Erstausstrahlung: ARD, 5. September 2011, 22.45 Uhr

Rechteerwerb: WDR

Kontakt: info@ecomediaTV.de