Duelle: Gerhard Schröder gegen Oskar Lafontaine

Dokumentation, 45 Minuten
Buch und Regie: Michael Wech

Kaum ein Zweikampf hat die deutsche Politik so nachhaltig geprägt wie das Duell zwischen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine. Aus Parteifreunden wurden Parteifeinde. Bis zum heutigen Tag gilt Oskar Lafontaine in SPD-Kreisen als Verräter. „Den Lafontaine machen“ ist gar zum geflügelten Wort für einen überstürzten Rücktritt geworden. Lafontaine ist seitdem ein verhasster Mann in der SPD. Wie konnte es dazu kommen? Warum haben sich zwei Männer auf dem Weg zur Macht gegenseitig gestützt, um sich später, als sie endlich die Spitze der Regierung bildeten, zu bekämpfen? Der Film rekonstruiert detailliert vor allem die Ereignisse Ende 1998/Anfang 1999, als die Spannungen zwischen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine eskalierten: „Er oder ich!“ Nur wenige Wochen nach dem SPD-Wahlsieg und der Regierungsbildung von Kanzler Schröder breiten britische Zeitungen Details aus der deutschen Regierungsarbeit aus und betiteln Oskar Lafontaine als „gefährlichsten Mann in Europa“. Eine Intrige, offenkundig. Aber von wem und warum? Stecken Mitarbeiter von Bundeskanzler Gerhard Schröder dahinter, um Lafontaine aus dem Amt zu drängen? Ist Oskar Lafontaine als Parteivorsitzender und Finanzminister dem Kanzler zu mächtig geworden? Bald drängen Gerüchte über Spannungen zwischen den beiden nach außen. Je mehr deutsche Zeitungen Kanzler Schröder als „Marionette Lafontaines“ karikieren, desto stärker entfremden sich beide voneinander. Der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, ein enger Vertrauter Schröders, äußert in der Dokumentation, dass es beiden Politikern zu diesem Zeitpunkt am notwendigen „Maß Ehrlichkeit miteinander“ gemangelt hat und er bezweifelt, dass Gerhard Schröder die Kraft zur offenen Aussprache mit Lafontaine hatte. Der Bruch scheint nicht mehr zu kitten. Im Zorn spricht Lafontaine von „katastrophaler Regierungsführung“ und lästert über Kanzler Schröder: „Der kann es nicht.“ Freunde von Lafontaine versuchen, ihn zu besänftigen, das Schlimmste zu verhindern. Zu spät. Am nächsten Tag schmeißt Lafontaine alle Ämter hin. Und Kanzler Schröder? Peter Struck, der dabei war, als die Nachricht von Lafontaines Rücktritt den Kanzler erreichte, berichtet: „Bei Gerhard Schröder war es ein Gefühl der Erleichterung, dass dieses Problem nun endlich gelöst ist.“ Autor Michael Wech zeigt in seiner Dokumentation eine inszenierte Freundschaft und eine echte Feindschaft zwischen zwei Genossen.

Rechteerwerb: WDR/SR

Erstausstrahlung: ARD, 7. Februar 2011, 21 Uhr

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