Armee ohne Kompass – Wohin marschiert die Bundeswehr?

Früher gab es die Wehrpflicht, und die Aufgabe der Bundeswehr war klar bestimmt: Sie sollte die Landesgrenze verteidigen. Heute ist die Bundeswehr eine Berufsarmee, und deutsche Soldaten sind an 15 Auslandseinsätzen beteiligt, darunter auch in Kampfeinsätzen.

Gerade Soldaten im Auslandseinsatz wünschen sich auch einen Rückhalt in der Gesellschaft und die volle Unterstützung der Politik. Aber daran mangele es, klagen viele Soldaten. Hauptfeldwebel Alex P. ist Veteran. Er wurde beim sogenannten Karfreitagsgefecht 2010 in Afghanistan schwer traumatisiert. „Die Leute wissen nicht, was Todesangst ist. Sie wissen nicht, dass man Angst hat um seine Kameraden“, sagt er. „Eine Vorstellung vom ’soldatischen‘ Leben haben die wenigsten außerhalb der Bundeswehr“, klagt er. Eine breite Schicht der Gesellschaft sei entschieden gegen den militärischen Einsatz der Bundeswehr oder zeige gar kein Interesse an der Truppe. Das würde viele Soldaten verbittern.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, kennt die Nöte der Soldaten. Durch die hohe Auftragsbelastung sieht er die Gefahr, dass die politische Bildung im Zweifel eher mal vom Dienstplan gestrichen werde. Das dürfe man aber nicht hinnehmen. Viele Soldaten wünschten sich mehr Offenheit. Wer will, dass Männer und Frauen in der Bundeswehr dienen, müsse ihnen erklären, was sie machen sollen und vor allen Dingen, warum sie das machen sollen. Soldaten könnten noch so gut ausgebildet sein – am Ende entscheiden nicht sie über Kampfeinsätze der Bundeswehr. Das sei eine politische Entscheidung und das verpflichte die Politik zu mehr Ehrlichkeit.

 

Erstausstrahlung: 26. September 2018, ZDF